Beitrag zur Ergründung der Ursache des Grodener Explosionsunglücks.

Bei dem folgenden Dokument handelt es sich um einen historischen Untersuchungs- bzw. Versuchsbericht von Techniker Marine-Obersekretär Ferdinand Schmidt (datiert Cuxhaven, 2. August 1922).
Es geht im Kern darum, die chemisch-physikalische Ursache einer Katastrophe im
Minendepot Groden aufzuklären und eine bisherige Zeugentheorie zu widerlegen.


1. Ausgangslage und Anlass:

  • Schmidt zweifelte an der bisherigen Theorie zum Unglück im Depot Greden: Es wurde vermutet, dass sich austretender Schießwolle-Staub durch Reibung an der Sprengbüchse entzündet habe und die kleine Erst-Explosion im Auftriebsraum der Mine dadurch verursacht wurde.

  • Er war überzeugt, dass eine Sprengbüchsen-Detonation im Auftriebsraum wesentlich heftiger ausgefallen wäre und die Mine komplett zerstört hätte. Um das zu beweisen, führte er eigenmächtig (mit zwei Helfern, ohne Depotarbeiter) einen Rekonstruktionsversuch durch.

2. Versuchsaufbau in der Altenwalder Heide

  • Am 29. Juli holte Schmidt unbrauchbare Teile (ein leeres Minengefäß, Sprengbüchsenrohr, beschädigte E-Sprengbüchse und Zeitzünder) ab und fuhr damit verdeckt in die Altenwalder Heide.

  • Dort grub er ein Loch im Heideboden, stellte das Gefäß senkrecht hinein, verklemmte die Sprengbüchse absichtlich schräg im Rohr (wie es durch eine Verkrümmung vorkommen kann) und befestigte einen Zeitzünder.

  • Der Hohlraum wurde mit Sand, Steinen und Schutt verdämmt, um die Bedingungen der Unglücksmine genau zu simulieren.

3. Ergebnis des Versuchs

  • Die Detonation der Sprengbüchse zerstörte das Minengefäß völlig unter lautem Knall und großer Flammenerscheinung („total auseinandergerissen“). Teile flogen 3 bis 4 Meter weit.

  • Dies entsprach genau dem Schadensbild anderer Trümmer auf dem Unglücksplatz in Groden.

Die zerstörte Testmine nach dem Versuch auf dem Marine Schießplatz Altenwalde.


4. Schlussfolgerung

  • Die von den Zeugen beobachtete kleine Beobachtung/Explosion im Auftriebsraum der Unglücksmine kann keine Detonation der Sprengbüchse gewesen sein.

  • Eine Sprengbüchse zerreißt das Gefäß immer vollständig.

  • Die kleine Explosion muss durch einen anderen Sprengkörper verursacht worden sein, der sich normalerweise nicht in der Mine befindet (vermutlich Wärmeeinwirkung in Schußsicherheitsstellung).