Fliegerhorst Nordholz
Abstellbereich Südecke (Wanhöden)

Stand: 06/2026

Neben dem spektakulären Fund des ehemaligen Wehrmachtspanzers Sturmgeschütz III auf dem Fliegerhorst Nordholz, kam es im Zuge der anstehenden Erweiterungen des Industriegebietes am Seeflughafen zu einer weiteren Entdeckung aus Kriegszeiten. Im betroffenen Areal wurde eine komplette Waldfläche gerodet. Durch diese Maßnahme kamen die noch hervorragend erhaltenen, historischen Flugzeugabstellplätze des damaligen Bereiches „Südecke“ (Wanhöden) wieder ans Tageslicht.

Dieser Bereich gehörte im Zweiten Weltkrieg als Teil der militärischen Infrastruktur zum damaligen Fliegerhorst der Luftwaffe. Heute liegt das Gelände knapp außerhalb des aktiven Marinefliegerhorstes.

Wie ein Vergleich mit historischen Dokumenten zeigt, handelt es sich bei den freigelegten Strukturen um die charakteristischen, von Erdwall-Deckungswällen umgebenen Abstellboxen (Splitterschutzboxen). Auf alliierten Luftaufnahmen aus der Endphase des Krieges sind diese Boxen nicht nur deutlich zu erkennen. Die alliierte Luftbildauswertung vermerkte dort sogar konkret die Stationierung einer zweimotorigen Heinkel He 219 („Uhu“), einem damals hochentwickelten Nachtjäger der Luftwaffe.

Das historische Luftbild dokumentiert zudem, dass in diesem Bereich bereits ab 1945 noch Waldrodungen stattfanden, um eine geplante Verlängerung der südlichen Start- und Landebahn vorzubereiten. Nach Jahrzehnten der Überwucherung durch dichten Baumbestand machen die aktuellen Satellitenbilder das exakte, zickzackförmige Muster der historischen Schutzwälle im gerodeten Areal nun wieder perfekt aus der Vogelperspektive sichtbar.

Der heutige Bereich südlich des Seeflughafens und dem Industrigebiet Nordholz.

In der vergrößerten Draufsicht sind die jetzt freiliegenden ehemaligen Flugzeugeinstellboxen gut zu erkennen.

Quelle: Google Maps

Die komplett gerodete Fläche südlich des Seeflughafens

Quelle: M.B.

Die für die Jagdflugzeuge vorgesehenen Einstellboxen im Süden und Südwesten des Areals verfügten jeweils über eine eigene Zapfsäule. Die dazugehörigen Kraftstofftanks waren unterirdisch im Erdreich eingelassen. Gemäß britischen Unterlagen (UK) wurden diese Tanks im Jahr 1948 ausgegraben und per Bahn abtransportiert. Dank der unmittelbaren Nähe zum südöstlich gelegenen Munitionslager ließen sich die Maschinen nach der Landung in kurzer Zeit parallel auftanken und neu aufmunitionieren.

Auf der vorliegenden Aufnahme skizzierte ein alliierter Bildauswerter mit Bleistift die damals noch im Bau befindliche Verlängerung der südlichen Start- und Landebahn. Der Historiker Zapf verweist in diesem Zusammenhang auf ein Dokument des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (OKL Gen.Qu.) vom 20. Dezember 1944 zum sogenannten „Silberprogramm“. Demnach war die Verlängerung der Startbahn in Nordholz auf eine Länge von 1700 Metern zu diesem Zeitpunkt bereits „im Bau bzw. befohlen“.

Quelle: Gerd Wildfang

Die oben in den Satellitenaufnahmen zu erkennenden Abstellboxen zur Kriegszeit Anfang 1945, rechts die jetzt freigelegten Objekte. Die zu erkennenden Boxen oben bestehen auch noch, dort wurde der Bewuchs aber bislang nicht entfernt. Auch der betonierte Rollweg ist stellenweise noch vorhanden, allerdings stark überwachsen.

Die selbe Aufnahme noch einmal vom gesamten Südbereich.

Quelle: Gerd Wildfang


Abstellbereich Nord

Unterhalb des sogenannten U-Lagers, direkt am damaligen Waldrand, begann das Areal der Luftwaffenanlage mit den dezentralen Einständen für die Jagdflugzeuge. Diese im Volksmund schlicht „Boxen“ genannten Flugzeugabstellplätze waren strategisch so im Gelände verteilt, dass sie optimalen Schutz boten. Von Zimmermeister Wilksens Garten aus bot sich damals ein direkter Blick auf die in den Boxen bereitgestellten Maschinen. Ein Großteil dieser Splitterschutzboxen war zudem von der damaligen Reichsstraße 6 (L 135) aus im Bereich zwischen dem Wohnhaus der Familie Wilhelm Stegemann und dem V-Lager gut einsehbar.

Wenn die Jagdflugzeuge, von denen weitere Einheiten im Südosten des Platzes stationiert waren, zu Einsätzen ausrückten, rollten sie aus ihren gut getarnten Einständen. Um die Flugplätze vor allierter Luftaufklärung zu verbergen, wurden sowohl die leergezogenen Boxen als auch die gesamten, durch den Wald führenden Rollstraßen aufwendig mit Tarnnetzen überspannt. Die Maschinen rollten unter diesem Sichtschutz durch die Waldbereiche, um schließlich meist auf der großen, freien Grasfläche des Horstes zu starten oder zu landen.

Quelle: Gerd Wildfang

Der Flugzeug - Abstellplatz Nord.

Quelle: Gerd Wildfang

Der Berich heutzutage, im linken Teil sind die Boxen auf jeden Fall noch vorhanden allerdings vom Bewuchs verdeckt. Bis vor einigen Jahren, konnte man diese noch von der Landesstraße aus schämenhaft erkennen. Die Straße rechts war damals der Rollweg.

Quelle: Google Maps