Operation Aphrodite
Die Operation Aphrodite sowie das Navy Pendant Operation Anvil stellten einen der frühesten Versuche dar, moderne Präzisionswaffen durch den Umbau ausgedienter Bomber zu erschaffen. Das Konzept sah vor alte Maschinen vom Typ B 17 oder B 24 mit gewaltigen Mengen des Sprengstoffs Torpex zu füllen und sie als unbemannte fliegende Bomben gegen massiv befestigte deutsche Ziele einzusetzen. Da die Startphase für eine Fernsteuerung zu komplex war mussten menschliche Piloten das Flugzeug zunächst in die Luft bringen und die Systeme scharfschalten, bevor sie kurz danach mit dem Fallschirm absprangen.
Die Steuerung im Zielgebiet erfolgte über ein innovatives aber fehleranfälliges System aus Funkfernsteuerung und früher Fernsehtechnik. In der Nase des Bombers war eine Kamera installiert deren Bild per Funk an ein Begleitflugzeug übertragen wurde, das in sicherer Distanz hinter der Drohne flog. Ein Operator im Mutterflugzeug versuchte anhand dieses verrauschten Bildes die Maschine mittels eines Joysticks direkt in das Ziel zu lenken. Auf den Karten der Inselverteidigung ist dieser mühsame Anflugprozess durch die eingezeichneten Kurven und die untypisch niedrige Flughöhe von nur einhundert Metern deutlich erkennbar.
Das Ziel, der U - Boot Bunker "Nordsee III" auf Helgoland.
Der U-Boot-Bunker Nordsee III auf Helgoland war eines der massivsten militärischen Bauwerke an der deutschen Küste und bildete einen zentralen Bestandteil des ehrgeizigen Festungsprojekts Hummerschere. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1940 unter der Leitung der Organisation Todt und wurden etwa zwei Jahre später abgeschlossen. Die Konstruktion basierte auf einer gewaltigen Stahlbetonstruktur mit einer Grundfläche von rund 156 mal 94 Metern. Das Dach der Anlage erreichte eine Stärke von bis zu 4,5 Metern und sollte selbst schwersten Bombenangriffen standhalten. Im Inneren verfügte das Bauwerk über drei Boxen sowie zwei Trockendocks und einen Nassliegeplatz für die modernen Boote der Kriegsmarine.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage am 18. April 1947 fast vollständig vernichtet. Im Rahmen der britischen Operation Big Bang wurde der Bunker zusammen mit weiteren militärischen Installationen der Insel durch eine enorme Menge an Sprengstoff zerstört. Diese Detonation gilt als eine der stärksten künstlichen Explosionen vor der Ära nuklearer Tests. Die Trümmer wurden in der Nachkriegszeit zum Teil abgetragen oder planiert und bilden heute das Fundament für das zivile Unterland der Insel.

10.06.1943

Der Osthafen im Februar 1942


03.02.1942, ein Uboot wird aus dem Bunker gezogen.

Die Angriffe auf die Insel Helgoland im September 1944 verdeutlichten die technischen Grenzen dieses Vorhabens auf dramatische Weise. Am 3. September verfehlte eine Liberator die Hauptinsel und schlug stattdessen auf der benachbarten Düne ein wo sie einen Krater von zwanzig Metern Durchmesser riss und weite Teile der dortigen Infrastruktur durch die enorme Druckwelle verwüstete. Am 11. September gelang es der deutschen Flak eine herannahende B 17 so schwer zu treffen dass sie kurz vor dem U Boot Bunker ins Meer stürzte. Die Wucht der Detonationen war so gewaltig dass die Maschinen laut den Berichten der Inselkommandantur förmlich in Atome zerrissen wurden.
Eine weitere B 17 wurde am 15.10.1944 im tiefen Anflug auf die Insel durch die Inselflak unschädlich gemacht. Auch sie detonierte kurz vor dem Ziel mit einer gewaltigen Explosion.
Aus Sicht der Verteidiger unter Kapitän zur See Lohmann blieben diese Angriffe zunächst ein Rätsel da trotz der massiven Explosionen keine Spuren einer Besatzung gefunden werden konnten. In seinen Erkenntnissen hielt er die Beobachtung fest dass die Maschinen auffallend langsam und extrem tief anflogen was sie zu einem leichten Ziel für die Flakbatterien machte. Die Kombination aus radargestützter Abwehr und der Unzuverlässigkeit der alliierten Steuerungssignale führte letztlich dazu dass kein einziger der ferngesteuerten Bomber die massiven Bunkeranlagen auf Helgoland entscheidend beschädigen konnte.

Kurz nach dem Start springt der Pilot der B 17 aus dem Flugzeug. Jetzt führt die Begleitmaschine den Bomber per Funkfernsteuerung.

Absturz einer ferngesteuerten B 17 am 15.10.1944 kurz vor der Felsenkante der Insel Helgoland mit einer gewaltigen Detonation. Das Flugzeug war zuvor durch die Flak schwer getroffen worden.
Berichte aus dem Kriegstagebuch des Kommandanten von Helgoland
Fazit:
Die Operation Aphrodite war ein ehrgeiziges Experiment der Alliierten im Zweiten Weltkrieg das am Ende an der praktischen Umsetzung scheiterte. Das Ziel bestand darin massiv befestigte deutsche Anlagen wie V3 Bunker oder U Boot Bunker mithilfe präzisionsgelenkter Waffen zu zerstören. Dafür wurden ausgediente Bomber mit großen Mengen Sprengstoff gefüllt und per Funkfernsteuerung als fliegende Bomben auf die Ziele gesteuert.
Die Unternehmung gilt aus verschiedenen Gründen als historischer Fehlschlag. Einerseits war die Technologie noch nicht ausgereift da die Funksteuerung sehr störanfällig war und viele Maschinen ihr Ziel verfehlten oder abstürzten. Andererseits war das Sicherheitsrisiko für die Besatzungen extrem hoch weil die Piloten die Flugzeuge erst starten und dann in geringer Höhe abspringen mussten. Ein bekanntes Opfer dieser Gefahr war Joseph P. Kennedy Jr. , der Bruder des späteren amerikanischen Präsidenten J.F. Kennedy, dessen Maschine vorzeitig über England explodierte.
Zudem mangelte es dem Projekt an Effektivität, da keines der Hauptziele zerstört wurde. Herkömmliche Angriffe mit schweren Präzisionsbomben wie dem Tallboy oder Grand Slam, waren letztlich erfolgreicher und sicherer. Insgesamt war die Operation Aphrodite ein kostspieliges Vorhaben, das zwar den Weg für moderne Fernlenkwaffen ebnete, aber im Krieg keinen echten militärischen Nutzen erbrachte.








