Chronologie Cuxhaven und Wesermünde
1939 - 1945
Die Jahre 1939 bis 1945 markieren einen tiefgreifenden Einschnitt in der Geschichte Norddeutschlands. Der Zweite Weltkrieg prägte auch die Regionen Cuxhaven und Wesermünde in besonderem Maße. Durch ihre strategische Lage an Elbe, Weser und Nordsee, ihre militärische Bedeutung sowie durch die unmittelbaren Auswirkungen auf Bevölkerung und Infrastruktur.
Dieser Bereich widmet sich der chronologischen Darstellung der Zeitgeschichte in diesen Abschnitten. Im Mittelpunkt stehen Ereignisse, Geschehnisse und Entwicklungen, die den Alltag ebenso bestimmten wie militärische, organisatorische und verwaltungstechnische Aufgaben. Neben bekannten historischen Eckdaten werden auch weniger beachtete Vorgänge beleuchtet, die das Gesamtbild dieser Jahre vervollständigen.
Ziel ist es, die Abläufe und Zusammenhänge dieser Zeit sachlich, nachvollziehbar und quellenorientiert darzustellen. Die Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versteht sich als fortlaufende Dokumentation, die historische Fakten ordnet und in ihren zeitlichen Kontext einbettet.
Die chronologische Gliederung soll helfen, die Dynamik dieser Jahre und ihre Auswirkungen auf Cuxhaven und Wesermünde verständlich nachzuvollziehen – vom Beginn des Krieges bis zu seinem Ende im Jahr 1945.
Was waren Kriegstagebücher und welchen Zweck erfüllten sie?
Kriegstagebücher (KTB) waren im Zweiten Weltkrieg offizielle militärische Aufzeichnungen, die von nahezu jeder Dienststelle der Wehrmacht geführt wurden. Sie dienten dazu, den täglichen Ablauf von militärischen Ereignissen, Befehlen und besonderen Vorkommnissen systematisch zu dokumentieren. Ein Kriegstagebuch stellte damit eine Art chronologisches Protokoll dar, in dem festgehalten wurde, was innerhalb einer Einheit oder eines Kommandobereichs geschah. Solche Aufzeichnungen existierten auf allen Ebenen der militärischen Führung – vom Oberkommando über Flotten- und Armeestellen bis hin zu regionalen Kommandobehörden wie etwa dem Kommandanten eines Küstenabschnitts.
Der Hauptzweck eines Kriegstagebuchs war die fortlaufende Dokumentation der militärischen Lage. In täglichen Einträgen wurden unter anderem die allgemeine Situation der eigenen Truppen, Meldungen über den Gegner, durchgeführte Einsätze, Verluste, Schäden oder besondere Ereignisse festgehalten. Auch Befehle von übergeordneten Dienststellen sowie wichtige Entscheidungen der eigenen Führung wurden vermerkt. Diese Dokumentation diente nicht nur der internen Übersicht und Führung, sondern auch der Rechenschaft gegenüber höheren Kommandostellen. Gleichzeitig entstanden dadurch detaillierte Aufzeichnungen, die heute eine wichtige Quelle für die historische Forschung darstellen.
Ein typisches Kriegstagebuch bestand aus dem eigentlichen Tagebuchtext und zahlreichen sogenannten Anlagen. Im Tagebuchtext wurden die Ereignisse meist nach Datum und Uhrzeit in knapper, sachlicher Form festgehalten. Beispielsweise konnte dort ein Luftangriff, eine Feindmeldung oder der Einsatz eigener Einheiten vermerkt werden. Die Anlagen ergänzten diese Einträge und umfassten häufig Befehle, Funksprüche, Lagekarten, Gefechtsberichte, Verlustmeldungen oder andere Dokumente. In vielen Fällen waren diese Anlagen umfangreicher als der eigentliche Tagebuchtext.
Das Kriegstagebuch eines Kommandanten im Abschnitt Cuxhaven würde dementsprechend alle militärisch relevanten Vorgänge in diesem Küstenbereich festhalten. Dazu gehörten beispielsweise Luftangriffe auf Hafen und Stadt, der Einsatz der Marineflak, Bewegungen von Kriegsschiffen oder Sicherungsfahrzeugen in der Elbmündung sowie Meldungen von Beobachtungsstellen oder Radaranlagen entlang der Küste. Ebenso wurden Befehle übergeordneter Marinekommandos dokumentiert, etwa vom Admiral Deutsche Bucht oder anderen zuständigen Dienststellen. In den letzten Kriegswochen konnten solche Kriegstagebücher auch Hinweise auf Rückzugsbewegungen, organisatorische Maßnahmen im Zuge des Zusammenbruchs der Front oder schließlich auf die Übergabe militärischer Einrichtungen an die Alliierten enthalten.
Formal bestanden Kriegstagebücher meist aus maschinengeschriebenen Seiten, die täglich ergänzt wurden. Über längere Zeiträume konnten so mehrere hundert Seiten entstehen, häufig ergänzt durch Kartenmaterial und umfangreiche Anlagenordner. Heute befinden sich viele dieser Kriegstagebücher in Archiven. Ein großer Teil der deutschen Wehrmachtsakten wird im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg aufbewahrt. Weitere Bestände befinden sich in Form von Mikrofilmen in den National Archives and Records Administration der Vereinigten Staaten sowie teilweise im britischen Nationalarchiv in Kew. Für die militärhistorische Forschung sind Kriegstagebücher deshalb eine der wichtigsten Quellen, da sie einen unmittelbaren Einblick in den täglichen Ablauf militärischer Führung und Ereignisse während des Krieges geben.
