Ein Abschied nach Fernost

Ein Blick zurück in die Cuxhavener Garnisonsgeschichte, die Einschiffung von Marinesoldaten nach Ostasien:
Bei dem abgebildeten Schiff handelt es sich um den bekannten Dampfer
„Patricia“, das am 20. Februar 1899 bei der Werft A.G. Vulcan in Stettin vom Stapel lief. Sie war der letzte der vier legendären großen „P-Dampfer“ der Hamburg-Amerikanischen-Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft (HAPAG). Mit einer stolzen Länge von rund 170 Metern, einem charakteristischen einzelnen Schornstein und vier Masten gehörte sie zu den größten Handelsschiffen ihrer Zeit. Ursprünglich vermessen mit ca. 13.023 BRT, wurde ihre Tonnage nach einem Umbau im Jahr 1910 auf 14.472 BRT erhöht. Zwei Schrauben, angetrieben von Vierfach-Expansions-Dampfmaschinen, brachten den Koloss auf eine Dienstgeschwindigkeit von 13 bis 14 Knoten.
Militärhistorischer Hintergrund in Cuxhaven:
Ab 1910 bis 1914 charterte die kaiserliche Regierung den großen Passagierdampfer für militärische Zwecke. Die „Patricia“ übernahm fortan die regelmäßigen, logistisch aufwendigen „Ablösungstransporte“ für die deutsche Garnison im weit entfernten Pachtgebiet Kiautschou (Tsingtau, China) sowie für das dortige Ostasiatische Kreuzergeschwader.
Die Soldaten, die hier in Reih und Glied am heutigen
"Lübbertkai" Aufstellung genommen haben und über die Gangway an Bord gehen, gehören zum
III. Seebataillon aus der Cuxhavener Kiautschou-Kaserne. Für sie bedeutete dieser Moment den Abschied von der Heimat und den Beginn einer ungewissen Reise ans andere Ende der Welt.
Das abrupte Ende der deutschen Herrschaft in Fernost:
Aber nur wenig später holte die Weltgeschichte diese Männer ein. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs kam es zur Belagerung von Tsingtau. Am 7. November 1914 musste die deutsche Garnison schließlich vor den japanischen und britischen Truppen kapitulieren. Damit endete die deutsche Herrschaft über das Gebiet Kiautschou abrupt und für viele der hier gezeigten Soldaten begann eine jahrelange Kriegsgefangenschaft.
Das Ende einer Ära:
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs schloss sich auch das deutsche Kapitel des stolzen Dampfers. Im März 1919 musste die „Patricia“ an die Alliierten ausgeliefert werden. Dieses Bild erinnert eindrucksvoll daran, wie tief Cuxhaven als Marinestützpunkt in die globale Geschichte und die dramatischen Dynamiken des Jahres 1914 eingebunden war.
