Gefechts-Chronik des Ems-Korps im Elbe-Weser-Raum

17. April bis 5. Mai 1945

I. (17.-18. April) Ausgangslage: Die Marine muss eine Landfront aufbauen

Die entscheidende Voraussetzung für die späteren Kämpfe war die zunehmende Herauslösung von Marinekräften aus ihren eigentlichen Aufgaben.

Bereits am 17. April war für den Bereich des Seekommandanten Ostfriesland die Landkampfführung einschließlich der Festungen Emden und Wilhelmshaven sowie der vorgelagerten Inseln dem Fallschirmjäger-Armee-Oberkommando 1 übertragen worden. Damit entstand ein Muster, das wenige Tage später auch im Bereich Elbe-Weser angewandt werden sollte. Die Marine blieb für ihre eigentlichen Marineaufgaben zuständig, während die Landkampfführung zunehmend dem Heer übertragen wurde. Für den Raum zwischen Weser und Elbe war diese Regelung zunächst noch nicht endgültig getroffen. Am 18. April wurde deshalb geprüft, welche Kräfte für die Verteidigung der Festungen selbst, überhaupt benötigt würden.

Vorgesehen waren:

Festung - Vorgesehene Sicherheitsbesatzung

  •  Wesermünde - 5 Bataillone
  •  Cuxhaven  - 4 Bataillone
  •  Brunsbüttel  - 8 Bataillone
  •  Helgoland  -1 Bataillon



Für Sylt war eine gesonderte Regelung vorgesehen.

 

Eine exakte, einheitliche Sollstärke für jedes Marine-Festungs-Bataillon lässt sich auf Grund damaliger kriegsbedingter Faktoren für die letzten Monate nicht einfach nur mit einer festen Zahl angeben.

  • planmäßig / vollständig, ca. 700–900 Mann
  • realistische Einsatzstärke 1945, ca. 500–700 Mann
  • stark geschwächt oder nach Abgaben, ca. 300–500 Mann

Gleichzeitig wurde festgestellt, dass bei einer Einschließung der Festungen starke Teile der an der Front eingesetzten Kräfte in die eigenen Abschnitte zurückgenommen werden müssten. Es handelte sich hierbei nicht nur um eine theoretische Möglichkeit, sondern um einen ausdrücklich vorgesehenen Teil der Verteidigungsplanung.
Das ausgewertete Kriegstagebuch stellt gleichzeitig fest, dass der vorhandenen Personalbestand nicht ausreichten, um sämtliche vorgesehenen Kampfstärken zu erreichen.


II. (20. April) Die Brücken über Hamme und Oste werden zum potentiellen Hauptziel

Am 20. April wird der Elbe-Weser-Raum erstmals ganz eindeutig als gefährdeter Frontabschnitt behandelt. Die alliierte Front war über Buxtehude und Zeven nach Norden vorgestoßen. Die deutsche Führung befürchtete einen Angriff in Richtung Zeven, Bremervörde und Wesermünde. Der Seekommandant Elbe-Weser erhielt umgehend den Auftrag, die Flussübergänge in Hechthausen, Bremervörde und Gnarrenburg zu sichern. Die Stärke der Operation sollte so bemessen sein, dass die Brücken bis zum Abschluss der Sprengvorbereitungen gehalten werden konnten.

Es ging hierbei nicht darum, jede Brücke um jeden Preis zu halten. Die Aufgabe war viel mehr, Zeit gewinnen – Brücke sichern – Sprengung vorbereiten – bei übermächtigem Angriff zurückweichen.

Eine entsprechende Anweisung wurde ausdrücklich auch an das Gen.Kdo. Ems-A.K. und den Erkundungsstab Oberst Krumbholz gegeben. Am selben Tag noch wurde angeordnet, die Brückensicherung bei Bremervörde und Gnarrenburg nocheinmal zu verstärken, weil ein kurzfristiger Vorstoß der britischen Truppen auf Wesermünde für möglich gehalten wurde.


III. (20./21. April) Die ersten Marine-Alarmverbände werden in den Frontabschnitt verlegt

In der Nacht bzw. am 21. April wurden zuerst die Marine-Alarm-Bataillone 747 und 748 aus dem Raum Sylt herangeführt. Das Marine-Alarm-Bataillon 701 aus dem Raum Brunsbüttel-Nord zog vorerst in Richtung Brunsbüttel-Süd und anschließend ebenfalls weiter in den Elbe-Weser-Raum.

Der Aufbau der Hamme-Oste-Stellung begann damit praktisch mit einer Mischung aus Marine-Alarmbataillonen, Festungsverbänden, Inselbataillonen sowie improvisierten Heeres-/Marineverbänden.


IV. (21. April) Die Hamme-Oste-Linie wird zur eigentlichen Verteidigungsstellung

Am 21. April legte der Admiral Deutsche Bucht die Grundsätze für den Einsatz der Marinekräfte zwischen Weser und Elbe fest.


Die Kräfte sollten drei Aufgaben erfüllen:

  1. Verstärkung der Festungen
  2. Verteidigung der Hamme-Oste-Linie
  3. Einsatz von Teilkräften als vorgelagerte Sicherungs- und Abwehrstellung.

Die geplante Sicherheitsbesatzung für die Festungen betrug insgesamt etwa 11 Bataillone mit rund 5.500 Mann. Tatsächlich waren erheblich mehr Kräfte vorhanden, nämlich etwa 15 Bataillone und 20 Kompanien mit rund 9.397 Mann, allerdings mit einer für den Feldkampf völlig unzureichenden Bewaffnung.

Das Kriegstagebuch weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Kräfte zwar zur Festungsbesetzung ausreichten, aber nicht ohne weiteres als vollwertige Feldtruppen betrachtet werden konnten. Das erklärt sehr viel von der späteren Kampfkraft der Marineverbände.

Sie waren zahlenmäßig vorhanden, aber:

  • nicht ausreichend mit Gewehren ausgestattet
  • nicht für den Erdkrieg ausgebildet (Teilweise Schiffsbesatzungen)
  • meist ohne schwere Waffen
  • vielfach erst kurzfristig aufgestellt worden


Gesamtlänge des Frontverlaufes der Hamme - Oste Linie zu diesem Zeitpunkt 110 Kilometer.


V. (22. April) Aufstellung der Kampfgruppe Krumbholz

Oberst Paul Krumbholz (1898–1945) war ein Heeresoffizier der Deutschen Wehrmacht. Als erfahrener Berufsoffizier, dessen militärische Laufbahn vermutlich bereits im Ersten Weltkrieg begann, diente er bis Frühjahr 1945 in verschiedenen Truppen- und Stabsfunktionen des Heeres. Im Zuge des britischen Vormarsches, wurde er zur Unterstützung in den Nord- bzw. Küstenbereich (Wehrkreis X) versetzt. Im Auftrag des Admirals Deutsche Bucht übernahm er die Führung der eilig improvisierten, rund 2.300 Mann starken Kampftruppe an diesem Tag, die unmittelbar seinen Namen trug. Über seinen militärischen Werdegang bis zum Einsatz seiner Kampfgruppe Frühjahr 1945 ist wenig bis gar nichts bekannt.

Die zu dem Zeitpunkt ihm zur Verfügung stehenden Verbände waren:

1. Rest Inselbataillon 351 / Einsatzraum: Bremervörde – Glinde

2. Marine-Alarmbataillon 747 / Einsatzraum: Ostendorf (Brv.) – Oldendorf (Himmelpforten)

3. Rest Alarmbataillon 4 / Einsatzraum: Hechthausen – Bornberg/Hornburg

4. Marine-Alarmbataillon 748 Einsatzraum: Neuland – Schüttdamm (Osten)

Zusätzlich wurden die bereits eingesetzten Teile des Inselbataillons 351 und des Alarmbataillons 4 in die Kampfgruppe eingegliedert.


VI. Auftrag der Kampfgruppe Krumbholz

Die Hauptaufgabe war sehr klar formuliert, die Kampfgruppe sollte die Hamme-Oste-Linie von Bremervörde einschließlich bis zur Elbe verteidigen. Dabei waren insbesondere die über die Linie führenden Straßen und Übergänge so lange wie möglich passierbar zu halten. Zwischen den einzelnen Schwerpunktabschnitten wurden in Abständen stark gesicherte Posten eingerichtet. Bei heftigen feindlichen Angriffen sollte die Kampfgruppe auf die andere Elbseite nach Brunsbüttel-Süd und Richtung Cuxhaven zurückweichen, wenn ein Erfolg aussichtslos gewesen wäre.

Die operative Funktion der Einheit war somit eindeutig. Sie war kein isolierter Kampfverband, sondern die vorgelagerte Landverteidigung der Festungsbereiche Wesermünde und Cuxhaven. Ihre Aufgabe bestand ausschließlich darin, den Gegner möglichst lange von den Festungsabschnitten fernzuhalten.


VII. Unterstellungsgrenze Kampfgruppe Krubholz zum Ems-Korps

Die rechte Grenze zur damaligen Führung des Gen.Kdo. Ems-A.K. wurde ausdrücklich festgelegt. Sie verlief über die Ortschaften Oerel – Bevern – Deinstedt – Grafel. Diese Orte gehörten dabei zum Sicherungsbereich der  Kampfgruppe Krumbholz bzw. zum Admiral Deutsche Bucht, die linke Grenze war das südliche Elbufer.

Damit waren bereits am 22. April die jeweiligen Einsatzabschnitte zwischen Marineführung und Ems-Korps klar dokumentiert.


VIII. Die Artillerie der Kampfgruppe

Ab dem 22. April erhielt die Kampfgruppe Artillerieverstärkung für den ihr zugeteilten Auftrag. Vier Batterien wurden sofort zur Hamme-Oste-Linie transportiert, neu zugeordnet, umbenannt und in zwei Gruppen zusammengefasst.

Marine-Batterie Nr. 17 aus der Batterie Altenwalde / vormals M.A.A. 114


Bewaffnung: 4 × 15,5-cm K 418(f)

Einsatzraum: Heessel – Wohlenbeck


Marine-Batterie Nr. 3 aus der Batterie Nückel - Wesermünde / vormals M.Fla.A 244


Bewaffnung: 5 × 11,4-cm 1.R.H. 362(r)

Einsatzraum: nordwestlich Bremervörde


Marine-Batterie Nr. 13 aus der schweren Flak-Batterie Broesum - St.Peter Ording / vormals M.A.A. 124


Bewaffnung: 4 × 7,5-cm Vickers (Beutewaffen)

Einsatzraum: nördlich Hechthausen


Marine-Batterie Nr. 14 aus der schweren Flak-Batterie Westereck - Balje Kedingen / M.Fla.A. 294


Bewaffnung:

4 × 7,5-cm Vickers (Beutewaffen)

Einsatzraum: Hechthausen


Für die Altenwalder Batterie waren
250 Schuss je Rohr vorgesehen, für die übrigen Batterien 1.000 Schuss je Rohr. Außerdem sollte vorhandene panzerbrechende Munition vollständig mitgeführt werden.


IX. (23. April) Kampfgruppe Stade

Parallel zur Kampfgruppe Krumbholz entstand ein zweiter wichtige Schwerpunkt nach Osten, die Kampfgruppe Stade. Kommandeur der Einheit waren der Fliegerhorst- und Kampfkommandant von Stade, Oberst Neudörffer sowie Major Konrad Zeller vom KSB (Kampfsicherungsbereich) Stade.
Die Personalstärke betrug anfangs ungefähr 450 Mann, im weiteren Verlauf wurde sie auf ca. 650 Mann in fünf Kompanien aufgestockt.


Die Kampfgruppe sollte Stade und den dazugehörigen Fliegerhorst so lange wie möglich gegen einen Angriff aus Süden und Osten absichern und sich bei einem Feinddurchbruch ggf. von Stadersand aus über die Elbe absetzen.
Ihre Verteidigungslinie verlief ungefähr von Horneburg westwärts bis zur Oste. Ihr gegenüber stand vor allem die 7th Armoured Division („Desert Rats“) sowie Infanterieverbände des VIII. Korps (u. a. Einheiten der 15th (Scottish) Infantry Division). Der überlegene Gegner verfügte über Panzer, Infanterie sowie eine zahlenmäßige Überlegenheit.

Damit war Stade ein weiterer vorgeschobener Eckpfeiler der Verteidigung zwischen Elbe und Oste.


X. 24. April – der Gegner kommt aus Richtung Zeven

Am 24. April änderte sich die Lage entscheidend. Der Gegner führte eine verstärkte Panzeraufklärung über die Linie Zeven – Horneburg – Grafel durch, wobei die gesetzte Sperrlinie überschritten wurde.

Die britischen Kräfte erreichten zügig Varven, Aspe und stieß von Zeven nach Westen in das Waldgebiet „Großes Holz“ vor.

Die Entfernung von Zeven betrug jetzt nur noch etwa drei Kilometer, womit zu Vermuten war, das der Angriff auf die Hamme-Oste-Linie unmittelbar zu erwarten war.


XI. Die deutsche Reaktion: Sprengung

Um einen raschen Durchbruch der Feindkräfte zu verhindern, erhielt der Marine-Festungspionierstab "Hoeland" den Auftrag, die Sprengvorbereitungen zu beschleunigen.

Besonders davon betroffen waren Straßen, Brücken, Übergänge und Sperrobjekte.


Die vorbereitete Sperrzone lag vor der sogenannten
„Grünen Linie“. Die Kampfgruppe Krumbholz erhielt ausdrücklich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Sprengbefehle schnellstmöglich an die einzelnen Objekte ausgeführt würden.

Die rechte Begrenzung des Abschnitts wurde ungefähr über Kuhstedt – Gnarrenburg – Rhade – Rockstedt – Goldenstedt festgelegt.

Die linke Begrenzung führte über Grafel – Oldendorf – Heinböckel und Schwinge.

Bis zum 24. April waren aber noch längst nicht alle Sprengobjekte fertig vorbereitet worden. Um dies zu beschleunigen sollten sofort eingewiesene Sprengkommandos eingesetzt werden, notfalls unter Hinzuziehung des Volkssturms.


XII. 25. April – erste Umgruppierungen

Im Verlauf des Tages wurde die Lage noch kritischer. Die Kampfgruppe Krumbholz erhielt weitere Aufgaben zur Vorbereitung der Sperren und zur Erkundung von Rückzugsmöglichkeiten. Besonders wichtig waren die Übergangsmöglichkeiten über die Oste bei Basbek und Geversdorf, sowie bei  Wischhafen über die Elbe, zu dieser Zeit waren dort bereits Pioniere im Einsatz. Bis zum 28. April sollten Verladerampen für schwere Fahrzeuge bis zehn Tonnen fertiggestellt werden, um für den Fall eines Rückzuges bzw. einer großräumigen Verlegung vorbereitet zu sein.


XIII. 26. April – der entscheidende Unterstellungswechsel

In der Nacht zum 26. April wurde bei Oberst Krumbholz bekannt, dass das Gen.Kdo.Ems A.K. XXXI kurzerhand seine bisher vom Admiral Deutsche Bucht aufgestellte und geführte Kampfgruppe übernommen hatte. Diese Meldung ließ sich der Kommandant dann auch noch einmal expliezit vom MOK Nord bestätigen, aber es war so. Damit war die Kampfgruppe Krumbholz praktisch vom Marineverband in die Heeresführung übergegangen und somit unterstellt. Die Entscheidung hierführ war durch den Oberbefeglshaber Nord, Generalfeldmarschall Ernst Busch gefällt worden, welcher das höchste Kommando im Bezug der Verteidigung in Norddeutschland hatte. Mit dieser Maßnahme der Unterstellung war das Gen.Kdo. A.K.Ems alleinig für die Verteidigungsline vor den Festungen Wesermünde, Brunsbüttel und Cuxhaven verantwortlich.

Noch am selben Tag kam es zu einer wichtigen Truppenverschiebung. Das zuvor als Reserve eingesetzte Alarmbataillon 735 wurde aus dem bisherigen Einsatz herausgezogen. Unter Zurücklassung schwacher Sicherungen wurde es in den Abschnitt zwischen Gnarrenburg und Bremervörde verlegt. Diese plötzlich klaffende Lücke wurde notdürftig durch die 1. Kompanie des Inselbataillon 351 gestopft. Zusätzlich erhielt die Kampfgruppe Krumbholz eine Kompanie aus der Festung Cuxhaven.

Parallel dazu wurde das grundsätzliche Problem immer größer. Die Festungen sollten eigentlich mit Wesermünde 5 Bataillonen, Cuxhaven 4 Bataillonen und Brunsbüttel 8 Bataillonen gesichert  werden. Gleichzeitig wurden aber immer mehr Kräfte für die Hamme-Oste-Linie benötigt. Der Admiral Deutsche Bucht machte deshalb wiederholt darauf aufmerksam, dass die Festungen durch die Abgabe ihrer Pioniere und Kampfeinheiten immer schwächer wurden.

Hier liegt lag auch das Kernproblem für den grundlegenden Widerspruch. Das Ems-Korps benötigte Marinekräfte für die Landfront und die Marine benötigte dieselben Kräfte für die Verteidigung ihrer Festungen.

Seit Beginn des Monats April 1945 wurden bereits 24  Infanterie - Bataillone (davon 7 Festungsbataillone) und 12 Artillerie Batterien an die Landfront abgegeben. Gleichzeitig fehlten für die eigentlich befohlenen Kampfstärken der Festungen jedoch genau diese Einheiten.


XIV. 26. - 27. April – Beurteilung der Übersetzmöglichkeiten über die Flüsse von West nach Ost.

Im Vorwege zu erwartender Transportmöglichkeiten über die Flüsse Elbe und Weser, wurden grundlegende Anordnungen durch das Marineoberkommando Nord (MOK Nord) und den Oberbefehlshaber Nordwest (Ob.Nordwest) getroffen. Ziel war es, die täglichen Übersetzleistungen  bei reibungslosem Ablauf zu kalkuliert. Hierbei kam heraus:

Elbe

  • Cuxhaven–Brunsbüttel: 170 LKW, 160 PKW, 7.500 Mann.
  • Geversdorf / Neuhaus–Brunsbüttel: Zusammen 2.000 Mann (erhöht sich bei Eintreffen der 5. Minensuchflottille/Fährprahmflottille um 600 LKW und 600 Mann).
  • Wischhafen–Glückstadt / Wewelsfleth: 56 LKW, 320 bespannte Fahrzeuge, 600 Pferde, 2.800 Mann.
  • Wischhafen–Kollmar: 600 Mann (reiner Mannschaftstransport).

Weser

  • Blexen–Wesermünde: 5.000 Mann.
  • Nordenham–Wesermünde: 100 LKW, 8 Panzer, 1.400 Mann.
  • Kleinensiel–Dedesdorf: 180 LKW, 6.500 Mann.
  • Brake–Sandstedt: 3.600 Mann (nach Fertigstellung der Anlegestelle auch 140 LKW und 3.600 Mann).
  • Elsfleth–Wesermünde: 1.200 Mann.
  • Weserdeich–Farge: 600 Mann.
  • Motzen–Blumenthal: 1.200 Mann.

XV. 27. April – Unterstellung des Seekommandanten Elbe-Weser unter das Ems-Korps

Parallel dazu vollzog sich ein weiterer bedeutsamer Wechsel in der Truppenführung. Bereits mit Wirkung zum 27. April 1945 um 00:00 Uhr wurde die Landkampfführung des Seekommandanten Elbe-Weser (Konteradmiral Rolf Johannesson) operativ dem Ems-Korps bzw. der übergeordneten Armeegruppe Blumentritt unterstellt.

Räumliche Abgrenzung: Die Sonderrolle von Brunsbüttel

Für das Verständnis der unterschiedlichen Weisungslagen im Elbe-Mündungsgebiet ist eine organisatorische Trennung entscheidend. Während der Seekommandant Elbe-Weser (und damit die Bereiche Cuxhaven und Wesermünde/Bremerhaven) dem Ems-Korps unterstellt wurde, verblieb die strategisch wichtige Festung Brunsbüttel auf der nördlichen Elbseite außerhalb dieser Befehlskette. Sie wurde stattdessen dem Generalkommando Korps Witthöft (G.d.I. Joachim Witthöft) zugeteilt.


XVI. 29. April – Erkundung und Ausbau der Verteidigungslinien (Gelbe und Blaue Linie)

Am 29. April 1945 wurde die Erkundung rückwärtiger Verteidigungsstellungen offiziell angeordnet. Nachdem der Stellungsbaustab Weidemann zuvor bereits die sogenannte Grüne Linie erkundet hatte, wurden sämtliche Planungs- und Vermessungsunterlagen an das Generalkommando Ems-Armeekorps (Ems-A.K.) übergeben. Dieser Schritt markierte einen klaren Übergang der operativen Verantwortung für die Verteidigungsplanung in den Bereich des Ems-Korps.

Um den Ausbau unverzüglich voranzutreiben, erhielt der neu eingesetzte Festungspionierstab 36 (Fest.Pi.Stb. 36) den Befehl, die neuen Verteidigungslinien – die Gelbe und die Blaue Linie – zu erkunden und sofort mit den Baumaßnahmen zu beginnen.

Noch am selben Tag kam es zu einer wichtigen Truppenverschiebung. Das zuvor als Reserve eingesetzte Alarmbataillon 735 wurde aus dem bisherigen Einsatz herausgezogen. Unter Zurücklassung schwacher Sicherungen wurde es in den Abschnitt zwischen Gnarrenburg und Bremervörde verlegt. Diese plötzlich klaffende Lücke wurde notdürftig durch die 1. Kompanie des Inselbataillon 351 gestopft. Zusätzlich erhielt die Kampfgruppe Krumbholz eine Kompanie aus der Festung Cuxhaven.

Parallel dazu wurde das grundsätzliche Problem immer größer. Die Festungen sollten eigentlich mit Wesermünde 5 Bataillonen, Cuxhaven 4 Bataillonen und Brunsbüttel 8 Bataillonen gesichert  werden. Gleichzeitig wurden aber immer mehr Kräfte für die Hamme-Oste-Linie benötigt. Der Admiral Deutsche Bucht machte deshalb wiederholt darauf aufmerksam, dass die Festungen durch die Abgabe ihrer Pioniere und Kampfeinheiten immer schwächer wurden.

Hier liegt lag auch das Kernproblem für den grundlegenden Widerspruch. Das Ems-Korps benötigte Marinekräfte für die Landfront und die Marine benötigte dieselben Kräfte für die Verteidigung ihrer Festungen.

Seit Beginn des Monats April 1945 wurden bereits 24  Infanterie - Bataillone (davon 7 Festungsbataillone) und 12 Artillerie Batterien an die Landfront abgegeben. Gleichzeitig fehlten für die eigentlich befohlenen Kampfstärken der Festungen jedoch genau diese Einheiten.


. 3. Mai – Bremervörde fällt

Mit der Einnahme von Bremervörde und der dortigen Brücken, begann letztendlich der eigentliche Zusammenbruch der Hamme-Oste-Verteidigungsstellung. Im Kriegstagebuch steht dazu lapidar: „Bremervörde genommen“. Der Gegner stieß weiter nach Norden bis Glinde vor, gleichzeitig lag Hechthausen unter starkem feindlichen Artilleriefeuer. Die deutsche Ostflanke war bis etwa Großenwörden – Südrand Assel zurückgedrängt worden. Damit war die ursprüngliche Hamme-Oste-Linie praktisch durchbrochen.
Der Chef der 5. Sicherungsdivision,
Kapitän zur See Thoma meldet seiem Vorgesetzten Admiral Deutsche Bucht, dass der Gegner bereits nicht weit von Wesermünde entfernt stehe. Der Admiral setzte sich daraufhin mit dem Oberbefehlshaber MOK Nord, Admiral Förste in Verbindung. Seine Einschätzung, das Ems-Korps unter General der Infanterie Rasp verfüge nur noch über geringe Reserven und werde den Gegner vermutlich nicht mehr lange von Wesermünde fernhalten können.

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