Kriegsgräberstätte Wingst - Ellerbruch
und der Ehrenhain
Die Kriegsgräberstätte Wingst-Ellerbruch ist eine eindringliche und zugleich vorbildlich erhaltene Gedenkstätte im Elbe-Weser-Dreieck. Eingebettet in den Wald und von alten Rhododendronbüschen umgeben, befindet sich die gesamte Anlage in einem herausragenden, äußerst gepflegten Zustand. Der Ort verknüpft das Gedenken an die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs mit den Schicksalen der Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Das Areal der heutigen Kriegsgräberstätte war um 1900 ursprünglich eine Sandkuhle. Während des Ersten Weltkriegs setzten ab 1916 die damaligen Behörden russische Kriegsgefangene ein, um den umliegenden Wald zu roden.
Heute steht die Kriegsgräberstätte Ellerbruch als Baudenkmal unter Denkmalschutz und ist im Denkmalatlas Niedersachsen erfasst. Sie dient nicht nur als historische Mahnstätte, sondern ist auch Gegenstand der aktiven Erinnerungskultur. Regelmäßig finden hier Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag sowie zu Bundeswehr-Gedenktagen statt, an denen unter anderem Einheiten der regionalen Verbände teilnehmen.
Aufbau der Anlage
Die Gedenkstätte gliedert sich historisch und architektonisch in zwei Kernbereiche
1. Der Ehrenhain (Erster Weltkrieg):
Vor der eigentlichen Kriegsgräberstätte befindet sich der bereits 1921 eingeweihte Ehrenhain der Gemeinde Wingst. Er umfasst 95 Gedenksteine, die an die gefallenen und vermissten Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnern. Konzeptionell wurde für jeden einzelnen Gefallenen eine Eiche gepflanzt. Die Namenssteine stehen am Rand des Weges sowie um ein zentrales Rondell.




2. Die Kriegsgräberstätte (Zweiter Weltkrieg):
Die 1950er-Jahre erweiterte Anlage wurde am 13. Juni 1954 offiziell eingeweiht. Sie umfasst 53 Bestattete des Zweiten Weltkriegs und ist in zwei halbkreisförmigen Gräberfeldern angelegt:
Äußerer Halbkreis (31 Bestattete): Hier ruhen Wehrmachtrangehörige die im ehemaligen Altkreis Land Hadeln ums Leben kamen und nach Kriegsende hierhin umgebettet wurden. Dazu zählen Soldaten, die in den letzten Kriegstagen durch unterschiedliche Gründe fielen. Unter anderem durch Gefechtseinflüsse während der letzten schweren Kämpfe oder auch dem Versuch, die Oste zu durchschwimmen, um der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Zudem Opfer von Tieffliegerangriffen, sowie Ertrunkene, die an der Elbmündung angespült wurden. Ebenfalls hier bestattet ist die Wehrmachtshelferin Helene Müller, die nach Ende ihres Dienstes auf dem Feld rastete und zusammen mit einem Landwirt bei einem britischen Tieffliegerangriff ums Leben kam.
Innerer Halbkreis (22 Bestattete): Hier liegen 22 junge deutsche Soldaten im Alter von meist 16 bis 18 Jahren. Sie alle verloren am 27. Mai 1945, nur wenige Wochen nach der Teilkapitulation, bei einer gewaltigen Explosion im Munitionslager der ehemaligen Portland Cementfabrik Hemmoor ihr Leben.


Das Unglück in der Zementfabrik Hemmoor (27. Mai 1945)
Nach der Teilkapitulation am 5. Mai 1945 wurden Angehörige des „Kampfgruppe Wackernagel“ (vorher als Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillons „Groß-Deutschland“ bekannt) im Raum Hemmoor interniert. Unter britischem Kommando mussten die noch sehr jungen Soldaten das Gelände der Zementfabrik räumen und scharfe Munition auf britische LKW verladen.
Am 27. Mai 1945 kam es gegen 19:00 Uhr zu einer verheerenden Detonation, die noch in 25 km Entfernung zu hören war und im Umkreis Gebäude zerstörte. 22 junge Soldaten kamen ums Leben (u. a. Gefreiter Friedrich Görling, 18 Jahre). Die Verunglückten wurden zunächst auf dem Friedhof in Althemmoor mit militärischen Ehren beigesetzt und im Jahr 1954 in die Kriegsgräberstätte Wingst-Ellerbruch umgebettet.
Die Grabstelle von Oberst Paul Krumbholz
Unter den in Ellerbruch Bestatteten, befindet sich auch die schlichte Grabstätte von Paul Krumbholz (* 23.02.1897; † 02.05.1945). Oberst Krumbholz war der Kommandeur der nach ihm benannten Kampfgruppe im Frontabschnitt zwischen Elbe und Bremervörde. In den letzten Kriegstagen im April/Mai 1945 hatte diese Einheit die Aufgabe, den Abschnitt der östlichen Hamme-Oste-Linie gegen den Vormarsch der britischen Einheiten (u. a. Einheiten des britischen XXX. Korps) zu halten und den Rückzug eigener Kräfte zu decken.
Am 2. Mai 1945, nur drei Tage vor der Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, befand sich Oberst Krumbholz auf einer Inspektionsfahrt zur Frontlinie im Raum Ebersdorf – Glinde. Während dieser Kontrollfahrt geriet der Bereich unter britischen Artilleriebeschuss. Paul Krumbholz erlitt durch einen Granatsplitter tödliche Verletzungen und verstarb noch am selben Tag.






