Das Kriegsende in Hechthausen
04.05.1945
Ende April 1945 wurde Hechthausen im heutigen Landkrei Cuxhaven zu einem dramatischen Schauplatz der letzten Kriegstage, geprägt von militärischem Rückzug, Zerstörung und dem mutigen Eingreifen der Zivilbevölkerung. In der Absicht, das Vorrücken britischer Truppenverbände aus dem Raum Hamburg und Stade über die Oste zu verhindern, plante das MOK Nord die Zerstörung der dortigen Flussübergänge über die Oste. Für diesen Sondereinsatz wurde ab dem 19. April 1945 das Sprengkommando "Hoeland" aufgestellt. Diese Einheit rekrutierte sich aus der 1. Kompanie des Marine-Festungs-Pionier-Bataillons 314 und stand unter der Leitung von Hauptmann Wolfgang Teuscher vom Marine-Festungspionierstab Cuxhaven. Die Soldaten bereiteten die Sprengung vor, indem sie Ladungen sowohl an der Eisenbahnbrücke als auch an der Straßenbrücke über die Oste anbrachten.
Doch die Hechthausener Bevölkerung, der die Aussichtslosigkeit der militärischen Lage längst bewusst war, wollte die vollständige Zerstörung ihrer Infrastruktur nicht tatenlos hinnehmen. In einem bemerkenswerten Akt des Widerstands gegen diese sinnlose Aktion begaben sich mutige Bürger heimlich an die Brücke und durchschnitten den größten Teil der Zündschnüre und Zündkabel für die Straßenverbindung. Als die letzten abziehenden deutschen Soldaten schließlich gegen 18 Uhr nachmittags die Brücken sprengten, stiegen zwei gewaltige Rauchsäulen in den Himmel. Die erst im Frühjahr 1940 nach 3 ½ Jahren Bauzeit mit einem Aufwand von 2.600.000 Reichsmark fertiggestellte Eisenbahnbrücke wurde komplett zerstört und verschwand in den Fluten der Oste. Die strategisch bedeutsamere Straßenbrücke erlitt hingegen dank der sabotierten Zündkabel nur leichte Beschädigungen und blieb in ihrer Grundstruktur erhalten. Nach der Ausführung dieses Einsatzes kehrte das Sprengkommando der 1. Kompanie am 29. beziehungsweise 30. April 1945 in seinen Heimatstandort Cuxhaven-Sahlenburg zurück.
Nach der Sprengung spitzte sich die Lage in der Region weiter zu. Die Flakgeschütze, die auf einem Eisenbahnzug bei Bornberg positioniert war, nahm britische Feindverbände bei Burweg und Blumenthal unter Feuer. Dies provozierte ein massives feindliches Artilleriefeuer auf Hechthausen, welches bis tief in die Nacht andauerte und die Häuser unter den Detonationen erzittern ließ. Am 3. Mai nahm schließlich die britische Garde-Panzer-Division Hechthausen und die angrenzenden Ortschaften unter direkten Beschuss.
Die endgültige Einnahme von Hechthausen erfolgte dann am Morgen des 4. Mai 1945, nachdem die Situation für die Verteidiger völlig aussichtslos geworden war. Gegen 10 Uhr morgens wurde der Ort formell übergeben. Der Bauer Klaus Torborg begab sich mit einer weißen Fahne zur Ostebrücke, um die Ortschaft kampflos dem 1. Household Cavalry Regiment der britischen Streitkräfte zu übergeben. Begleitet wurde diese Kapitulation von weiteren Einwohnern, die ein weißes Bettlaken an einer Stange befestigt hatten und den Briten an der Brücke entgegenkamen. Daraufhin rollten die englischen Einheiten mit Panzern und Spähfahrzeugen über die noch intakte Straßenverbindung in Hechthausen ein. Obwohl der britische Vormarsch im Ort selbst auf keinen organisierten Widerstand mehr stieß, kam es zwischen der Ostebrücke und der Bahnüberführung bei Burweg noch zu einem tragischen Zwischenfall. Ein schwerer englischer Panzer fuhr auf eine von deutschen Soldaten in der Straße vergrabene Panzersperrmine, explodierte und schleuderte viele Meter weit. Bei dieser Explosion kam die gesamte Besatzung des Fahrzeugs ums Leben.
Standort der heutige Eisenbahnbrücke Hechthausen/Oste an der selben Position:
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Ein überarbeitetes Foto der damaligen Eisenbahndrehbrücke Hechthausen (Oste) vor der Sprengung.
Quellen: Kriegstagebuch MOK.Nord, Korpsbefehle Ems-Korps, Heimatverein Hechthausen.
