Der Luftangriff auf Sicherungsgeleit 1111 am 29.04. 1943
Am 29. April 1943 befand sich das deutsche Sicherungsggeleit 1111 auf dem Weg von Hoek van Holland (Ndl.) in Richtung Elbmündung nach Cuxhaven. Die Wetterbedingungen waren bei einem leichten Nordnordwest-Wind (NW 3), See 3, vereinzelter Bewölkung und ansonsten guter Sicht denkbar klar. Das Geleit bestand aus zahlreichen Einheiten: Den Sicherungsdienst versahen unter anderem die Vorpostenboote Vp. 807 (Konsul Dubbers), Vp. 809, Vp. 811 und Vp. 812 sowie die Minensuchboote M 323, M 324, M 341, M 383 und M 453. Zudem fuhren mehrere bewaffnete Handels- und Frachtschiffe mit, darunter die Narvik (unter schwedischer Flagge), Aludra, Kentucky, Ryn, Eem, Irma, Groth und Oslo.
Gegen 18:00 Uhr wurde der Verband im Quadrat Qu. 8239 / 8230, etwa 30 Kilometer nördlich der niederländischen Insel Vlieland, von einem massiven britischen Großfliegerangriff überrascht. Ein Verband aus etwa 30 bis 40 gegnerischen Maschinen (darunter Bristol Blenheim, Bristol Beaufort, Begleitjäger, als Bomber und Torpedoflugzeuge) näherte sich aus Richtung West-Nordwest (WNW) im extremen Tiefflug in Höhen zwischen 25 und 300 Metern. In drei kurz aufeinanderfolgenden Wellen flogen die britischen Maschinen im 90-Grad-Winkel auf die Schiffsformation zu, breitete sich auf etwa 800 Meter Frontbreite aus und verteilte sich ca. 1.000 Meter vor dem Geleit gezielt auf die einzelnen Boote.

Die deutschen Einheiten erwiderten den Angriff unverzüglich mit einem dichten Abwehrfeuer. Auf Vp. 809 (unter dem Kommandanten Leutnant z. S. Hantke) eröffnete die 3,7-cm-Doppelflak den Beschuss auf eine Distanz von 4.000 Metern, gefolgt von der 2-cm-Flak ab 2.000 Metern. Im Verlauf des Gefechts verschoss allein Vp. 809 80 Schuss 3,7 cm, 640 Schuss 2 cm sowie 450 Schuss SmK/SmKl. Trotz der Angriffe konnte Vp. 809 zwei Maschinen nachweislich abschießen. Das erste Flugzeug wurde auf der Backbordseite getroffen, versuchte in steiler Rechtskurve abzudrehen und stürzte ca. 500 Meter entfernt zwischen den Dampfern Aludra und Kentucky ins Meer. Eine zweite Maschine überflog Aludra, geriet in das Kreuzfeuer der 3,7-cm- und 2-cm-Flak sowie eines Maschinengewehr-Postens, versuchte noch kampfhaft die Bordwaffen auszuschalten, stürzte aber schwer beschädigt etwa 800 Meter steuerbord achteraus ins Wasser. Eine dritte brennende Maschine wurde hinter dem Taktischen Frachter Nr. 1 beim Absturz beobachtet.
Trotz der starken Gegenwehr erlitt das Geleit schwere Verluste. Die Aludra und die Narvik erhielten Bombentreffer bzw. Unterwassertorpedos und sanken. Auch Vp. 807 erhielt schwere Unterwasser-Bombentreffer im Vorschiff. Das Boot sackte vorne tief weg und musste um 19:35 Uhr aufgegeben werden. Nachdem die Führungsrolle im Geleit von Vp. 812 übernommen worden war, begannen die Rettungsarbeiten. Vp. 807 sank schließlich um 20:30 Uhr auf der Position 53°34,8' N / 04°57,8' O (Qu. 8236 r.o.). Von den 29 Besatzungsmitgliedern von Vp. 807 wurden 26 Mann von Vp. 809 und weitere Teile vom Minensuchboot M 453 gerettet.
Auch auf anderen Booten gab es Opfer und Schäden. M 341 erlitt Unterwassertreffer, konnte jedoch abgedichtet werden und verzeichnete einen Toten sowie 10 Verletzte. M 324 meldete zwei Tote, 7 Schwer- und 5 Leichtverletzte. Auf Vp. 811 wurden alle 43 Besatzungsmitglieder der gesunkenen Narvik geborgen. Auf Vp. 807 befanden sich wiederum drei Schwerverwundete, von denen der Matrosen-Obergefreite Ahrens noch am späten Abend um 23:50 Uhr an Bord seiner schweren Kopfverletzungen verstarb.

Im Verlauf zum 30. April 1943, wurde der Verband neu geordnet. Die Minensuchboote M 324 und M 341 wurden mit ihren Verletzten nach Borkum entlassen. Da die Versorgung der Schwerverletzten an Bord dringlich war, übernahm M 453 auf See um 09:30 Uhr (im Qu. 9559) den Arzt von Vp. 812, sämtliche Verwundeten sowie den verstorbenen Soldaten Ahrens von Vp. 809, um auf schnellstem Weg nach Cuxhaven zu dampfen. M 453 passierte um 12:47 Uhr das Feuerschiff Elbe 1 und entließ die Geretteten sowie Verletzten um 15:40 Uhr an der Alten Liebe in Cuxhaven. Um 16:00 Uhr machte Vp. 809 schließlich an der Koellner Brücke im Amerikahafen fest, wo der verstorbene Obergefreite Ahrens an Land übergeben wurde. Insgesamt verzeichnete der Verband trotz der Schiffsverluste eine bemerkenswerte Rettungsbilanz. Insgesamt wurden 4 Offiziere, 20 Soldaten, 77 Mann Schiffsbesatzung sowie die Flaksoldaten der gesunkenen Frachter, bis auf zwei Vermisste der Aludra, vollzählig gerettet.
Dokumente der 8. Vorpostenflottille der 5. Sicherungsdivision
Quelle: Kriegstagebuch 8. Vorpostenflottille









