
Das XXXI. Armeekorps „Ems“ stellt eine jener Notformationen dar, die in den letzten Kriegsmonaten 1945 im Bereich der Heeresgruppe H geschaffen wurden. Seine Aufstellung erfolgte im März 1945 und entsprach dem typischen Muster der sogenannten „Decknamen-Korps“, deren Bezeichnungen nach norddeutschen Flüssen vergeben wurden („Elbe“, „Weser“, „Jade“, „Ems“). Ziel war es, gegenüber den Alliierten den Eindruck regulärer, schlagkräftiger Armeekorps zu erwecken, während es sich tatsächlich um ad-hoc gebildete Verbände handelte, die aus Resttruppen des Heeres, Marine- und Luftwaffenkräften, Volkssturmeinheiten und Ersatzformationen zusammengesetzt waren.
Das XXXI. Armeekorps „Ems“ übernahm im April 1945 Aufgaben im Raum Emsland – Ostfriesland – Unterweser und wurde wenig später in die Verteidigung des Küstenabschnitts zwischen Weser und Elbe eingebunden. Seine Aufgabe bestand darin, die vorrückenden Verbände der britischen 21st Army Group aufzuhalten oder zumindest zu verzögern. Die tatsächlichen Möglichkeiten hierzu waren jedoch begrenzt: Das Korps verfügte über kaum kampfstarke Divisionen, war schlecht ausgerüstet und litt unter massiven Versorgungsschwierigkeiten.
Der Verband stand im Zusammenhang mit den letzten Verteidigungsbemühungen der Armeeoberkommandos Nordwest unter Generalfeldmarschall Ernst Busch. Mit der am 4. Mai 1945 in Lüneburg unterzeichneten Teilkapitulation der deutschen Streitkräfte in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden endete auch die Existenz des XXXI. Armeekorps „Ems“. Seine Reste legten im Raum Cuxhaven und an der Unterelbe die Waffen nieder.
Das Korps ist daher weniger als operativ bedeutsamer Großverband zu verstehen, sondern vielmehr als Ausdruck der Desintegration der Wehrmacht in den letzten Kriegswochen. Seine Bedeutung liegt heute vor allem in der Dokumentation des militärischen Zusammenbruchs und der improvisierten Abwehrmaßnahmen im nordwestdeutschen Küstenraum.
Quellen und Hinweise:
- Bundesarchiv-Militärarchiv, RH 20-11 (Armeeoberkommando Nordwest).
- National Archives and Records Administration (NARA), T78 (OKH), T311 (Heeresgruppen H und B).
- Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Bd. 4.